Gründer*innen aufm Kieker #1: Human Reboot

In unserer neuen Serie beleuchten wir Kulturhanse-Gründer*innen samt ihrer Ideen! Begleitet uns dieses Mal zu Jenn van Distel, Gründerin im Ahoi Altenburg, und erfahrt was Feuerlöscher und Schule miteinander zu tun haben.

Wie bedient man einen Feuerlöscher?

Das fragt sich sicherlich nicht nur Jenn van Distel, Stipendiatin des Ahoi Gründungslabor Altenburgs. Deswegen steckt sie gerade in den Vorbereitungen für ihr nächstes Video, in dem sie recherchiert, wie man Feuer löscht. Die 28-Jährige gebürtige Meeranerin betreibt die Wissensplattform Human Reboot®, die jungen Menschen dabei helfen soll, entspannt und mit sicherem Gefühl ins Leben zu starten. Seit April ist sie nun Stipendiatin im Ahoi.

Hat dich die Schule auf’s Leben vorbereitet?

Jede*r erinnert sich an folgende Situation: Dem Hochgefühl, das erste Mal auf eigenen Beinen zu stehen, folgt bald ein Zittern in den Knien. Die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, das heißt: Steuererklärungen machen, Versicherungen abschließen, über Altersabsicherung nachdenken. So ging es auch Jenn.

Jenn wollte immer Karriere machen, legte großen Wert auf gute Noten, das perfekte Zeugnis, das richtige Studium, internationale Praktika. Sie war im Ausland, füllte ihre Vita mit Meilensteinen, von denen sie dachte, sie seien wichtig für zukünftige Arbeitgeber*innen – aber Erfolg und Zufriedenheit wollten sich nicht einstellen. Als sie irgendwann auf den Gehaltscheck ihres Freundes sah, konnte sie es kaum fassen: Mit zwei Masterabschlüssen verdiente sie nur halb so viel wie ihr Freund mit Ausbildung.

Dann kam sie ins Grübeln. Ihr fehlte das psychologische Wissen, um Konflikte gut zu lösen, das finanzielle um gut und langfristig mit ihrem Geld zu haushalten. Und wir führt man ein glückliches, gesundes Leben mit beruflicher Erfüllung – ohne Burn-Out?

Sie ging auf Spurensuche und landete wieder hinter die Schulbank, besucht Seminare über Persönlichkeitsentwicklung, Stressmanagement, machte ein Karrierecoaching.

Feuerlöschdreh Rettung

„Ich wollte den perfekten Lebenslauf erschaffen.“

Bald dämmert es ihr. Sie stellt fest:

  1. Zusammenhänge zu erforschen, zu verstehen, wie Dinge funktionieren, sich zu bilden sollte ein Leben lang Spaß machen.
  2. Alles hängt im Kern zusammen: In jedem Lebensbereich braucht es eine Grundzufriedenheit. Wenn du zum Beispiel nicht gesund bist, machst du dir keine Gedanken über Finanzen.
  3. Es ist wichtiger sich zu richtig zu verkaufen, als Zertifikate zu sammeln.

 

Zwölftausend Euro ärmer fragte sie sich, warum sie das nicht in der Schule lernte. Das war die Geburtsstunde von Human Reboot®.

„Mit der Wissensplattform Human Reboot®mache ich Schul- und Studienabsolvent*innen, die sich nach der Ausbildung mit vielen Fragen des Lebens konfrontiert fühlen, Wissen zu relevanten Lebensbereichen zugänglich: Finanzen, Kommunikation, Gesundheit, Alltagswissen, Spiritualität, Psychologie, Karriere usw. – alle Themen, die in der Schule nicht ausreichend intensiv behandelt werden können, aber für ein leichtes Leben wichtig sind.“

Jenn ist der Meinung, dass Bildung Spaß machen soll. Daher erstellt sie für jedes Thema kurze Videos und bündelt bereits vorhandenes Wissen, in einer für die junge Zielgruppe ansprechend aufgearbeiteten Variante. Weiterführend zu den Inhalten vervollständigen Empfehlungen für Bücher, Seminare, Kurse, Produkte, Experten und Ansprechpartner*innen das Wissenspaket.

Damit ist Human Reboot®gleichzeitig eine Marketingplattform, für alle Expert*innen und Produkte, die die Welt ein bisschen besser machen. Alle Inhalte sind kostenlos und jederzeit verfügbar. Finanziert wird das Projekt über Affiliate Marketing, Marketing-Kooperationen und perspektivisch über Youtube Werbung. Der Plan ist auch „offline“ aktiv zu werden, Vorträge zu halten und an Schulen bei Projekttagen mitzuwirken, Ferienkurse zu halten und Studienberatungen zu unterstützen.

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Ahoi Altenburg

Die Idee wuchs im Kopf während sie im Job mit ihrer Kreativität, Selbstständigkeit und unkonventionellen Vorschlägen immer wieder aneckte. Schnell wurde ihr klar: Ich will meine eigene Chefin sein, meine eigenen Ideen umsetzen. Erst neu in die Stadt gezogen, sah sich Jenn vor ihrem inneren Auge bereits allein in ihrem Arbeitszimmer an ihrer Gründungsidee werkeln – bis sie der Aufruf vom Gründungslabor erreichte. Begeistert, dass es so etwas in Altenburg gibt, meldete sie sich prompt an. Als die Zusage für den ersten Durchgang kam, war sie glücklich:

„Wir haben hier eine Runde mit coolen Leuten, die auf hohem Niveau und viel positiver Energie an ihren Ideen arbeiten. Hier ist alles kleiner, umso intensiver arbeiten wir miteinander. Die regelmäßigen Treffen helfen mir zu reflektieren. Ich profitiere von den Perspektiven der Anderen. Dabei ergeben sich viele Synergien: So haben wir bereits gemeinsam ein Pop-Up-Schaufenster gemacht, stellen uns gemeinsam bei der Kreativmesse vor.“

Und wie sieht die Zukunft aus? In fünf Jahre sieht sich Jenn in einem der schönen Gebäude –Altenburg hat ja so einige davon zu bieten – das mittlerweile zu ihrem Firmengebäude geworden, mit ihren ersten Angestellten, Bücher schreibend, Kurse gebend und einfach stolz und glücklich sein.

Viel Glück auf deinem Weg!

Fotos: Virgine Glawion von VG Fotografie

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