Vorbild KARREE49 Chemnitz

Ein Haus voller Kreisläufe
Mann in gemütlichem Raum mit Backsteinwand im Hintergrund.
TippChristian Pietschmann, Gründungsgarage

Auf dem Chemnitzer Sonnenberg zeigt das KARREE49, wie Fischzucht, Gemüseanbau, soziale Arbeit und Quartiersentwicklung in einem einzigartigen Kreislauf zusammenkommen.
Fisch und Tomate? Was nach mediterraner Diät klingt, ist im KARREE49 das Erfolgsrezept für die Lebensmittelproduktion der Zukunft, namens Aquaponik. Und das funktioniert so: In mehreren Fischtanks im Keller ziehen Forellen, Störeoder Tilapien (afrikanische Buntbarsche) ihre Kreise. Ihre Ausscheidungen werden von Mikroorganismen in pflanzenverfügbare Nährstoffe umgewandelt und dann über Pumpen in ein mehrstöckiges Gewächshaus geleitet, das an das Gründerzeitgebäude angebaut wurde. Dort wachsen unter anderem Tomaten, Gurken und Basilikum – bestens versorgt durch genau die Nährstoffe, die in den Fischbecken im Keller entstehen.
Solche Kreislaufsysteme gelten als besonders ressourcenschonend: Bis zu 90 Prozent Wasser lassen sich so gegenüber herkömmlicher Fischzucht einsparen. Gleichzeitig ist die Anlage bewusst als Lernort gedacht. Schulklassen, Besucher:innen und Initiativen können bei Führungen und Projekttagen erleben, wie urbane Lebensmittelproduktion funktioniert, und so ganz niederschwellig verstehen, warum Kreislaufdenken immer wichtiger wird.

Initiiert wurde das Projekt von Angelika Scheuerl. Sie kaufte das Eckhaus in der Peterstraße zu einem Zeitpunkt, als kaum Investor:innen wirtschaftliches Potenzial darin sahen. „Es war eine waghalsige Entscheidung: Das Haus war eine Bruchbude und ich war schwanger“, erzählt sie heute. Inzwischen ist daraus ein lebendiger Ort geworden. Zu den Gebäuden gehören barrierearme, auf dem freien Markt angebotene Wohnungen, die auch von älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen angemietet werden. Da passt es gut, dass im KARREE49 auch die weitere besondere Wohnform angeboten wird. Wichtig war dem Team von Anfang an eine gemischte Nachbarschaft, die gemeinsam Teil des Quartiers ist. Wirtschaftlich bleibt der Ort offen für die Nachbarschaft: Im Hofladen auf der Peterstraße werden regelmäßig Produkte aus der Anlage verkauft – alle zwei Wochen, immer donnerstags von 13 bis 17 Uhr.
Und auch familiär schließt sich ein Kreis: Inzwischen wird die Aquaponik-Anlage nämlich von Angelika Scheuerls Tochter Ronja betreut, die eine Ausbildung als Fischwirtin gemacht hat. Sie ist außerdem Stipendiatin im Frauenprogramm der Gründungsgarage Chemnitz und wird dort aktuell begleitet.
Ein Haus, viele Kreisläufe, ein Erfolgsrezept.

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